Festkonzert am 19. November 2017

Martinskirche Kassel, 17 Uhr

Emilio de Cavalieri (1550-1602)

Rappresentatione di Anima, et di Corpo

(Das Spiel von Seele und Körper, Rom 1600)

 
Ausführende:

Anima                                    Tabea Graser

Corpo                                     Florian Küppers

Tempo                                    Jochen Faulhammer

Intelletto                                Jonas Boy

Consiglio                                 Benjamin Hühne

Angelo custode                        Jimin Hwang

Piacere con due compagni        Rebekka Stolz, Jonas Boy, Jochen Faulhammer

Mondo                                     Jochen Faulhammer

Vita mondana                           Rebekka Stolz

Annima dannata                       Jochen Faulhammer

Anime beati                             Jimin Hwang, Martina Hümmer

Risposta dal cielo                     Martina Hümmer

Avveduto                                  Thomas Hof

Prudentio                                  Lukas Umlauft

 

Barockorchester La Visione auf historischen Instrumenten:

Thomas Friedlaender                Zink, Schlagwerk

Friedrich Hultsch                      Altposaune
Hans-Martin Schlegel                Tenorposaune, Bassposaune, Serpent

Silke-Gwendolyn Schulze           Schalmei, Pommer, Dulzian, Blockflöten
Isabel Schau                              Violine, Viola d'amore
Clara-Marie Kupke                     Viola
Anne-Marei Holter                     Viola
Sören Gehrke                            Viola
Laura Frey                                Viola da gamba, G-Violone
Tobias Hecker                            Barockgitarre, Erzlaute
Christiane Lux                           Cembalo, Orgel
                                                 

Kasseler Bachchor

Leitung: Norbert Ternes

 

Es ist ein Gesamtkunstwerk der Superlative: musikalisch farbenfroh, zeitnah und spannend. Das allegorische Stück geistlichen Inhalts in drei Akten ist ein Dialog zwischen Seele und Körper über die Frage des richtigen Lebensstils, über weltliche Lust und jenseitige Seligkeit als Reflexion eines einzelnen Menschen. Das Werk ist einzigartig, hat spirituellen Tiefgang und eine revolutionäre künstlerische Bedeutung für die Entwicklung der Musikgeschichte. Der Kasseler Bachchor bringt das Werk nun als Kasseler Erstaufführung dem Publikum nahe.

Cavalieri war grundsätzlich kein Opern- und auch kein Oratoriumskomponist, denn diese Gattungen gab es im 16. Jahrhunderts noch gar nicht. Aber in den letzten Jahren des 16. Jahrhunderts besann man sich in Italien auf das Ideal des antiken griechischen Dramas, das nicht gesprochen, sondern vielmehr gesungen wurde. Verschiedene Musiker, so auch Cavalieri, begannen mit kompositorischen Versuchen, die bis dahin mehr oder weniger getrennten Künste Schauspiel und Musik wieder zu vereinen. Eine neue musikalische Gattung, die Oper, erblickte das Licht der Welt. In etwa zur gleichen Zeit bildete sich die Gattung des Oratoriums heraus, das sich formal und musikalisch an die Oper anlehnt, jedoch ohne Bühnendarstellung auskommt und meist biblische Stoffe behandelt.

Cavalieris „Rappresentatione“ entsprangen wie die Oper dem Bestreben, Musik, Wort und Bühnenspiel zu einem Gesamtkunstwerk zu vereinen. Und doch muss man das Werk ob seines geistlichen Kontextes vor allem als Oratorium bezeichnen. Inhaltlich ist es also mit dem Oratorium verbunden, formal aber mit der Oper. Heute pflegt man es im Allgemeinen als „geistliche Oper“ zu bezeichnen. Und so kann man Cavalieri als Erfinder des Oratoriums bezeichnen. Im Stück begegnen sich spätmittelalterliches Mysterienspiel und zukünftiges Musiktheater.

Im Vorwort finden sich zahlreiche Anweisungen von Cavalieri zur Aufführungspraxis. „...Für eine Aufführung scheint es notwendig, dass alles Dazugehörige vollkommen sei: Der Sänger soll eine schöne Stimme haben, von guter Intonation und Tragfähigkeit. Er soll ausdrucksvoll singen, leise und laut. Vor allem sollte er die Worte gut artikulieren, dass sie verstanden werden, sie mit Bewegungen und Gesten untermalen, die er nicht nur mit Händen, sondern auch mit Schritten vollführt – sie sind wertvolle Mittel zur Erregung des Affekts. Die Instrumente müssen gut gespielt werden und je nach Ort der Aufführung soll die Anzahl variieren, so dass sie der jeweiligen musikalischen Darbietung angemessen sind...“

Die Rappresentatione wurde 1600 erstmals in Rom mit großem Erfolg aufgeführt und noch im selben Jahr als Druck herausgegeben. Kein geringerer als Claudio Monteverdi hat Cavalieri sorgfältig studiert und viel von ihm gelernt.

Der Kasseler Bachchor und Solisten führen das Werk in italienischer Sprache auf.

Unter der Leitung von Norbert Ternes wird die Aufführung mit historischen Instrumenten begleitet.

Eintritt: 28/24/20 €     Schüler und Studierende: 10€
Vorverkauf: Buchhandlung Wilhelmshöhe, Wilh. Allee 273 / Bauer&Hieber, Ständeplatz 13
                  vorverkauf@kasselerbachchor.de